Prüfung und Erstattung von Strafanzeigen

Wer sich als Opfer einer Straftat fühlt, hat in vielen Fällen verständlicherweise das Bedürfnis, Strafanzeige gegen den oder die mutmaßlichen Täter zu erstatten. Hiergegen ist in den meisten Fällen nichts einzuwenden. Allerdings wird die Reichweite des Strafrechts fast ebenso oft über- wie unterschätzt. Ein Verhalten, das an zivilrechtlichen Maßstäben gemessen gegen Treu und Glauben oder die guten Sitten verstößt oder ansonsten anstößig erscheint, muss nicht zwangsläufig ein Fall für den Staatsanwalt sein. Da sich nach unserer Erfahrung viele Hoffnungen, die in die Einschaltung der Ermittlungsbehörden gesetzt werden, nicht erfüllen, empfiehlt es sich, den in Rede stehenden Sachverhalt vor der Erstattung einer Strafanzeige genau auf seine strafrechtliche Relevanz hin überprüfen zu lassen.

Eine Überprüfung ist insbesondere dann dringend zu empfehlen, wenn es möglich erscheint, dass infolge der angestoßenen Ermittlungen das eigene Verhalten des Anzeigeerstatters zum Anknüpfungspunkt eines strafrechtlichen Vorwurfs und damit eines Ermittlungsverfahrens gegen ihn werden könnte (die Reichweite des Strafrechts insoweit also unterschätzt wird). Das ist nicht selten der Fall. Vorbeugen lässt sich einem solchen Bumerangeffekt nur durch eine sorgfältige strafrechtliche Vorab-Prüfung des Sachverhalts sowie seiner möglichen Weiterungen durch etwaige Angaben der angezeigten Personen oder Dritter.

Wenn Sie sich entschließen, Strafanzeige zu erstatten, so empfiehlt es sich insbesondere bei Sachverhalten, die in tatsächlicher bzw. rechtlicher Hinsicht kompliziert sind, diese den Ermittlungsbehörden in einer strafrechtlich aufbereiteten Form zur Kenntnis zu bringen. Andernfalls besteht nach unseren Beobachtungen die Gefahr, dass das Anzeigevorbringen zunächst nicht zutreffend erfasst und die Ermittlungen deswegen entweder gar nicht eingeleitet oder nicht zielgerichtet geführt werden. Wir versuchen dieses Risiko zu minimieren, indem wir den Sachverhalt mit Blick auf den staatsanwaltlichen „Empfängerhorizont“ in tatsächlicher wie rechtlicher Hinsicht so darstellen, dass die Strafanzeige eine valide Grundlage für die Ermittlungen der Behörden bildet.